Stollmann, Jörg / Wolf, Konrad / Brück, Andreas / Frank, Sybille / Million, Angela / Misselwitz, Philipp / Schlaack, Johanna / Schröder, Carolin (Hrsg.)
2016
Beware of Smart People!
Rede­fi­ning the Smart City Para­digm towards Inclu­sive Urba­nism
Buch
Ver­lag
Universitätsverlag der TU Berlin
ISBN
Print: 978–3‑7983–2846‑4
Online: 978–3‑7983–2847‑1
online verfügbar unter
dx​.doi​.org →

Das Paradigma der Smart City ist Ausdruck der Ambition, Stadtentwicklung durch die Anwendung von IKT effizient und Ressourcen schonend zu gestalten. Städte in denen wir arbeiten und über die wir forschen entwickeln Smart City Strategien und Forschungsförderung spezialisiert sich zunehmend auf die Entwicklung „smarter“ Infrastrukturen und Steuerungsmechanismen. Smart Cities werden als radikaler Paradigmenwechsel gelesen und als Motoren technologischer Entwicklung: ökonomisches Wachstum, höhere Lebensqualität, Effizienz und Risikokontrolle angesichts abnehmender Ressourcen und drohenden Klimawandels.

Dieser „Smartifizierung“ stehen die zunehmenden Forderungen zivilgesellschaftlicher Gruppen und sozialer Bewegungen für mehr und umfassendere Einbindung in Entscheidungsprozesse entgegen. Neue urbane Akteure werden zu Agenten, indem sie ihre Erfahrungswissen, ihre lokalen Kenntnisse, ihre sozialen Netzwerke und Fähigkeiten zur Kooperation und Kollaboration einbringen. Hintergrund diese Bewegungen ist ein augenscheinlich paralleler Diskurs zur „Smart City“ welcher sich zunehmend Gehör verschafft – der Diskurs über die Gemeingüter, die Commons. Commons werden definiert als das Zusammenspiel von Ressourcen, Menschen und Praktiken: Ressourcen, die von einer Gemeinschaft – den Commonern - definiert und verwaltet werden, und eine Praxis des Commoning, welche die Ressource schonend bewirtschaftet ohne sie zu verbrauchen. In diesem Sinne scheint Commoning eine Praxis, die einer nachhaltigen Lebensweise am nächsten kommt.

Sind diese zwei Diskurse – der Diskurs über die Smart City und jener über die urbanen Gemeingüter – unvereinbare Antagonisten oder teilen sie Gemeinsamkeiten, welche offen gelegt, weiter entwickelt und verfechtet werden sollten? Diese Frage ist keineswegs eine rein theoretische. Sie ist eine sehr praktische Frage, da sie auf das die Verteilung und das Management lebenswichtiger Ressourcen zielt. Sie ist eine politische Frage, da sie Auseinandersetzung und Parteinahme einfordert. Und sie ist eine ethische Frage, denn sie fordert gegenseitigen Respekt und Einsatz ein – für unsere Mitmenschen sowie für die nichtmenschliche Natur für die wir Verantwortung tragen. Die Texte und Aufzeichnungen des Symposiums „Beware of Smart People!“ wollen hierzu einen Beitrag leisten und zukünftige Forschungsvorhaben stimulieren.