Dr. Felix Bentlin
Die Ber­li­ner Stadt­er­wei­te­rung – Ent­wurf und Wan­del des Bebau­ungs­plans von 1862

Mit dem „Bebau­ungs­plan der Umge­bun­gen Ber­lins“ wurde 1862 eine Grund­lage geschaf­fen, auf der die innere Stadt bis heute auf­baut. Als Pro­dukt der kapi­ta­lis­tisch-libe­ra­len Wirt­schafts­ord­nung im 19. Jahr­hun­dert steht der Plan am Beginn einer Debatte über Pla­nung als öffent­li­che Auf­gabe. Der umgangs­sprach­lich „Hobrecht­plan“ genannte Stadt­er­wei­te­rungs­plan ent­wi­ckelte sich bereits kurz nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung zur Pro­jek­ti­ons­flä­che für Debat­ten um die Dis­zi­plin des Städ­te­baus, aber auch um die Aus­wir­kun­gen von Pla­nung, wie der Boden­spe­ku­la­tion – eine Rolle, die ihm noch bis ins 20. Jahr­hun­dert zuge­schrie­ben wurde.

Bei den inter­na­tio­na­len Ver­tre­tern der städ­te­bau­li­chen Moderne ver­kör­perte der „Hobrecht­plan“ das nega­tive Bei­spiel einer sozial blin­den Anpas­sungs­pla­nung, des­sen räum­li­che Ver­wirk­li­chung es zu besei­ti­gen galt. Seit der Infra­ge­stel­lung des Pla­nungs­leit­bil­des der Moderne ist die Kri­tik an James Hobrecht rela­ti­viert und der Plan selbst idea­li­sie­rend mit den grün­der­zeit­li­chen Quar­tie­ren gleich­ge­setzt wor­den. Dem­entspre­chend ist der Bebau­ungs­plan eine wie­der­keh­rende Refe­renz in der Erfor­schung nicht nur der Ber­li­ner Stadt­ent­wick­lung, son­dern auch der Geschichte der euro­päi­schen Pla­nungs­pa­ra­dig­men und städ­te­bau­li­chen Leit­bil­der.

Vor dem Hin­ter­grund, dass die ab 1870 erschie­ne­nen städ­te­bau­li­chen Hand­bü­cher der „ers­ten Stunde“ – bei­spiels­weise Stüb­bens „Der Städ­te­bau“ – auf Stadt­struk­tu­ren sowie Typo­lo­gien des öffent­li­chen Raums der gro­ßen Mas­ter­pläne und Fall­bei­spiele der euro­päi­schen Stadt­er­wei­te­run­gen zurück­grei­fen, erscheint es von gro­ßer Bedeu­tung die Ideen­ge­schichte und Ent­wurfs­lo­gik des Ber­li­ner Bebau­ungs­plans von 1862 zu beleuch­ten. An die­sem Punkt setzt die kumu­la­tive Dis­ser­ta­tion an: Die Auf­sätze mit städ­te­bau­li­chem Fokus haben das Ziel, die Ideen­ge­schichte des Plan(gebiet)s sowie die Ver­än­de­run­gen der gebau­ten Umwelt zu beleuch­ten. Durch den Fokus auf das Ber­li­ner Bei­spiel wer­den Prin­zi­pien der Ent­ste­hung und des Wan­dels städ­ti­scher Struk­tu­ren des 19. Jahr­hun­derts sowie Ent­wurfs­prin­zi­pien der Ber­li­ner Städ­te­bau-Exper­ten auf­ge­zeigt.

Damit wer­den Bei­träge zu alter­na­ti­ven Les­ar­ten des Hobrecht­schen Ber­lins, der preu­ßi­schen Stadt­er­wei­te­rungs­pla­nung des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts und zur loka­len Dis­zi­plin­ge­schichte der Stadt­pla­nung und des Städ­te­baus geleis­tet. Auf diese Weise soll auch eine Grund­lage zur ver­glei­chen­den Per­spek­tive auf die Ursprünge der städ­te­bau­li­chen Pla­nung in Europa geleis­tet wer­den. Die erkennt­nis­lei­ten­den For­schungs­fra­gen der vor­lie­gen­den Auf­sätze sind:

 

  • Wel­che städ­te­bau­li­chen Ent­wurfs- und Pla­nungs­prin­zi­pien wer­den für die Erstel­lung des Ber­li­ner Bebau­ungs­plans von 1862 ange­wen­det oder ent­wi­ckelt?
  • Wie las­sen sich diese Ent­wurfs- und Pla­nungs­prin­zi­pien aus dem zeit­ge­nös­si­schen Kon­text erklä­ren?