Antje Lehn
Atlas unsicht­ba­rer Räume – Stadt­bil­der kar­tie­ren an der Schnitt­stelle Schule und Stadt
Erst­be­treue­rin

Prof. Dr. Angela Mil­lion

FG Städ­te­bau und Sied­lungs­we­sen
TU Ber­lin

Zweit­be­treue­rin

Prof. Dr. Ange­lika Schnell

Insti­tut für Kunst und Archi­tek­tur
Aka­de­mie der bil­den­den Künste Wien

Stadt­bil­der und städ­ti­sche Räume wer­den heute als dyna­mi­sche Kon­struk­tio­nen gese­hen, die von den Nutzer_​innen im All­tag immer neu ent­wor­fen wer­den. Die Vor­stel­lun­gen loka­ler Akteure sind bei Pla­nungs­ent­schei­dun­gen in der Stadt­teil­pla­nung von wach­sen­der Bedeu­tung. Auch die Raum­vor­stel­lun­gen von Jugend­li­chen wer­den in die­sem Zusam­men­hang ver­mehrt wis­sen­schaft­lich unter­sucht, aller­dings fin­den Stadt­bil­der und ihre Kon­struk­tio­nen im Bil­dungs­pro­gramm der Schu­len selbst bis­her kaum Beach­tung. Wäh­rend die rela­tio­nale Raum­vor­stel­lung bereits wis­sen­schaft­li­cher Kon­sens ist, domi­nie­ren in der schu­li­schen Pra­xis noch abso­lu­tis­ti­sche Raum­kon­zepte. Die in der Schule ver­mit­telte homo­gene Raum­vor­stel­lung wird den unter dem Ein­fluss von Mobi­li­tät und Medien von Jugend­li­chen frag­men­tiert erleb­ten Räu­men nicht gerecht. Das Dis­ser­ta­ti­ons­vor­ha­ben wid­met sich die­ser Pro­ble­ma­tik, indem künst­le­ri­sche Dar­stel­lungs­me­tho­den dazu genutzt wer­den, mit Schüler_​innen kogni­tive Kar­ten­bil­der der Schul­um­ge­bung zu ent­wer­fen, die dann mit­hilfe einer kar­to­gra­fi­schen Sys­te­ma­tik ana­ly­siert wer­den. Ziel ist es, dar­aus Metho­den für Kommunikations‑, Lern- und Pla­nungs­pro­zesse an der Schnitt­stelle Schule und Stadt zu ent­wi­ckeln und Ein­sicht in die Raum­vor­stel­lun­gen der Jugend­li­chen zu gewin­nen.

Metho­disch ori­en­tiert sich die Arbeit an der Stu­die „Das Bild der Stadt“ von Kevin Lynch. Kogni­tive Kar­ten und Inter­views wer­den als Aus­gangs­punkt genutzt und für die Ziel­gruppe der Jugend­li­chen in Bezug auf das Schul­um­feld wei­ter­ent­wi­ckelt. Dabei wird der For­schungs­ge­gen­stand aus drei wis­sen­schaft­li­chen Per­spek­ti­ven bear­bei­tet: päd­ago­gi­sche Räume, sub­jek­tive Raum­wahr­neh­mung sowie kri­ti­sche Kar­to­gra­fie. In Bil­dungs­set­tings wird empi­risch unter­sucht, wie ins­be­son­dere hand­ge­zeich­nete Kar­ten als infor­melle Medien der Ver­mitt­lung die­nen kön­nen, um Schüler_​innen über ihr (Nicht-)Wissen zur Schul­um­ge­bung zu befra­gen.

Das Dis­ser­ta­ti­ons­vor­ha­ben baut auf einer im Schul­kon­text erprob­ten Pra­xis auf. Das Inter­esse liegt dabei zunächst in der Aus­ar­bei­tung der Metho­den der Ver­mitt­lung selbst. Die kol­lek­ti­ven Kar­tie­rungs­pro­zesse sol­len wei­ter­ent­wi­ckelt und an ver­schie­de­nen Schul­stand­or­ten in Wien in ver­glei­chen­den Feld­stu­dien umge­setzt wer­den. Dar­über hin­aus soll das Pro­jekt auch dazu die­nen das Poten­zial der Bil­der der Schul­um­ge­bung aus der Per­spek­tive von Jugend­li­chen für Pla­nungs­ent­schei­dun­gen im jewei­li­gen Stadt­teil und der Schule auf­zu­de­cken.

1. Ein­lei­tung

1.1 Thema und Pro­ble­ma­tik

Das Kon­zept „Atlas unsicht­ba­rer Räume“ ent­stand 2014 aus der Ein­rei­chung für ein For­schungs­pro­jekt. In die­sem sollte die städ­ti­sche Umge­bung einer Wie­ner Schule durch ihre Schüler_​innen kar­to­gra­phisch beschrie­ben wer­den. Das Pro­jekt konnte dann im Laufe eines Jah­res in meh­re­ren Work­shops mit ver­schie­de­nen Klas­sen und Lehrer_​innen im Unter­richt umge­setzt wer­den.

Zunächst stell­ten Schüler_​innen skiz­zen­hafte Kar­ten ihrer all­täg­li­chen Schul­we­gen mit den wich­tigs­ten Ori­en­tie­rungs­punk­ten her. Danach konn­ten die Schüler_​innen, ange­regt durch ver­mitt­le­risch beglei­tete Exkur­sio­nen und Recher­chen ihre Erfah­rungs­räume in die­sem Gebiet erwei­tern. Die Jugend­li­chen tes­te­ten kar­to­gra­fi­sche Metho­den zur Dar­stel­lung ihrer stadt­räum­li­chen Wahr­neh­mun­gen. Dabei wur­den künst­le­ri­sche Metho­den wie Zeich­nung, Foto­gra­fie, Col­lage aber auch dis­kur­sive Ele­mente wie Grup­pen­ar­beit, Prä­sen­ta­tion und Instal­la­tion ver­wen­det, um phy­si­sche Räume, Atmo­sphä­ren, Erin­ne­run­gen und Emo­tio­nen in kar­ten­ähn­li­chen Bil­dern dar­zu­stel­len.

Mein For­schungs­in­ter­esse baut auf die­ser im Schul­kon­text erprob­ten Pra­xis auf. Dabei geht es sowohl um kar­to­gra­phi­sche Metho­den, die die kogni­ti­ven Kar­ten von Jugend­li­chen sicht­bar machen, als auch um die Poten­ziale die­ser kar­to­gra­phi­schen Dar­stel­lun­gen der Schul­um­ge­bung (aus der Per­spek­tive von Jugend­li­chen). Auf Grund­lage der kon­kre­ten Erfah­run­gen mit die­sen Ver­mitt­lungs­pro­zes­sen an der Schnitt­stelle Schule und Stadt sol­len diese Metho­den an wei­te­ren Schul­stand­or­ten in Wien als Feld­stu­dien umge­setzt und das empi­ri­sche Mate­rial ana­ly­siert und ver­gli­chen wer­den.

 

1.3. For­schungs­fra­gen und Hypo­these

Diese Arbeit wid­met sich der Unter­su­chung der Schul­um­ge­bung als Ort, an dem die räum­li­chen Vor­stel­lun­gen von Jugend­li­chen geprägt wer­den. Dabei stellt sich die Frage, was der Stel­len­wert der ver­schie­de­nen Orte im Schul­um­feld im Ver­hält­nis zur Schule als gemein­sa­mem Bil­dungs­ort ist? Wie bil­det sich die Schul­um­ge­bung in kogni­ti­ven Kar­ten und Stadt­bil­dern der Schüler_​innen ab? Kogni­tive Kar­ten wer­den als Metho­den der Ver­or­tung und Werk­zeu­gen räum­li­chen Ler­nens für Jugend­li­che unter­sucht. Dabei liegt der Fokus auf hand­ge­zeich­ne­ten Kar­ten als Metho­den der Ver­mitt­lung, um über räum­li­che Rela­tio­nen, Brü­che und Fik­tio­nen in der Schul­um­ge­bung zu spre­chen. Das Ziel die­ser Arbeit ist es, kogni­tive Kar­ten­bil­der der Schüler_​innen zur Schul­um­ge­bung zu ana­ly­sie­ren und dar­aus kar­to­gra­phi­sche Metho­den für Kommunikations‑, Lern- und Pla­nungs­pro­zesse an der Schnitt­stelle Schule und Stadt zu ent­wi­ckeln.

Mit der Hypo­these, dass kogni­tive Kar­ten­bil­der und kol­lek­tiv erar­bei­tete kar­to­gra­fi­sche Stadt­bil­der, geeig­nete Mit­tel sind, um die Raum­wahr­neh­mung von Schüler_​innen dar­zu­stel­len und diese für stadt­räum­li­che Bezie­hun­gen in der Schul­um­ge­bung zu sen­si­bi­li­sie­ren, wer­den Feld­stu­dien an meh­re­ren Schul­stand­or­ten in Wien unter­nom­men. Zusätz­lich soll ein rela­tio­na­ler Atlas der Schul­um­ge­bung auf Basis der Kar­tie­run­gen der Jugend­li­chen erstellt wer­den.

2. Stand der Forschung/​Forschungsbedarf

2.1. Die Schul­um­ge­bung als Ort räum­li­cher Bil­dung

Wenn man mit Mar­tina Löw davon aus­geht, dass Raum­vor­stel­lun­gen in Sozia­li­sie­rungs- und Bil­dungs­pro­zes­sen ent­wi­ckelt wer­den (Löw 2001, S.265) wird deut­lich, wie prä­gend die all­täg­li­chen Räume der Schul­um­ge­bung für die Stadt­bil­der jun­ger Men­schen sein kön­nen, zumal der stei­gende Anteil an Ganz­tags­schu­len Schüler_​innen in Städ­ten immer mehr Zeit im Schul­um­feld ver­brin­gen lässt. Es stellt sich die Frage, in wie­weit die direkte Umge­bung der Schule bis­her als Raum für räum­li­che Bil­dungs­pro­zesse erkannt wurde und wel­che Metho­den sich dafür eig­nen, sie als sol­chen zu nut­zen. Dabei ste­hen als Orte des all­täg­li­chen Han­delns der Jugend­li­chen häu­fig mar­gi­na­li­sierte Orte, so genannte Nicht-Orte (Augé 1994) im Fokus der Dar­stel­lung. Die Bedeu­tung die­ser Orte in der Schul­um­ge­bung ist zu unter­su­chen.

Metho­den
Die Schul­um­ge­bung wird in einem enge­ren Umkreis im Radius von 250–300m abge­grenzt, zusätz­lich gibt es das erwei­terte Umfeld mit 500m Radius. Kar­tie­rung der Schul­um­ge­bung aus Per­spek­tive der Schüler_​innen mit gleich­zei­ti­gem Anstos­sen eines Bil­dungs­pro­zes­ses zu eben die­sem Raum. Ana­lyse der Schul­um­ge­bung aus ande­ren Per­spek­ti­ven: durch Inter­views mit bzw Kar­tie­run­gen von Expert_​innen, Lehrer_​innen, benach­barte Schu­len, Akteu­ren im Gebiet.

Fra­gen

  • Wel­che Orte sind beson­ders attrak­tiv, pro­ble­ma­tisch, ambi­va­lent?
  • Wel­che Rolle spie­len Kon­sum, Treff­punkte, Schul­wege, Gegen­öf­fent­lich­keit?
  • Wel­che orts­spe­zi­fi­schen The­men eig­nen sich für räum­li­che Bil­dungs­pro­zesse?
  • Wel­che Abwei­chun­gen, Span­nungs­fel­der und Dif­fe­ren­zen gibt es in Bezug auf das offi­zi­elle Stadtbild/​Image von Wien?

Ziel
Anhand von Fall­stu­dien an vier (bis sechs) Schul­stand­or­ten sol­len ver­schie­dene Schul­um­ge­bun­gen in Wien ver­gli­chen wer­den. Die gewähl­ten Schu­len befin­den sich in peri­phe­ren Lagen jeweils paar­weise an benach­bar­ten Stand­or­ten. Zwei unter­schied­li­che Schul­for­men, teil­weise mit bil­dungs­be­nach­tei­lig­ten Schüler_​innengruppen, ins­be­son­dere die Alters­gruppe zwi­schen 11–17 Jah­ren ste­hen in Fokus. Ein Gym­na­sium und eine Mit­tel­schule im Grün­der­zeit­be­zirk in Rudolfs­heim-Fünf­haus, eine Mit­tel­schule und ein Gym­na­sium im Stadt­er­wei­te­rungs­ge­biet in Wien Donau­stadt wur­den bereits aus­ge­wählt, wei­tere Schu­len sind noch offen. Kon­text­ab­hän­gig wer­den Anknüp­fungs­mög­lich­kei­ten zu aktu­el­len kom­mu­nal­po­li­ti­sche Akti­vi­tä­ten zum Thema Bil­dungs­land­schaf­ten in Wien unter­sucht: Sci­ence Cen­ter Net­work, Bil­dungs­land­schaf­ten in Bewe­gung, Bil­dungs­grätzl, Betei­li­gungs­pro­zesse der Gebiets­be­treu­ung.

Refe­ren­zen

  • Raum­so­zio­lo­gie, Mar­tina Löw, 2001
  • Stadt­sur­fer, Quar­tier­fans + Co: Räum­li­che Hand­lungs­mus­ter von Jugend­li­chen, Stu­dio Urbane Land­schaf­ten, 2009
  • Gebaute Bil­dungs­land­schaf­ten. Ver­flech­tun­gen zwi­schen Päd­ago­gik und Stadt­pla­nung, A. Mil­lion / T. Coe­len / A. J. Hein­rich / C. Loth / I. Som­bor­ski, 2017
  • Urba­nes Räu­men, Päd­ago­gi­sche Per­spek­ti­ven auf die Raum­an­eig­nung Jugend­li­cher, Romy Hof­mann, 2015

 

2.2. Kogni­tive Kar­ten und Stadt­bil­der

Zur Dar­stel­lung von stadt­räum­li­chem Wis­sen und Nicht­wis­sen Jugend­li­cher in Bezug auf die Schul­um­ge­bung baut diese Arbeit metho­disch auf der Stu­die von Kevin Lynch „Das Bil­der der Stadt“ auf. Die his­to­ri­schen Fra­ge­stel­lun­gen, bei denen kogni­tive Kar­ten, Foto­gra­fien und Inter­views kom­bi­niert wur­den, die­nen als Aus­gangs­punkt und wer­den spe­zi­fisch für die Ziel­gruppe Jugend­li­che als Akteur_​innen im städ­ti­schen Schul­um­feld wei­ter­ent­wi­ckelt.

Metho­den
Schul­we­ge­karte: Die Schüler_​innen bekom­men als ers­tes die Auf­gabe ihre Schul­wege als Hand­lungs­an­wei­sung für einen Orts­frem­den zu zeich­nen. Die Schul­wege wer­den gegen­sei­tig erklärt und aus­ge­stellt. In der Nach­be­ar­bei­tung wer­den die Schul­we­ge­zeich­nun­gen in ein geo­gra­phisch nor­mierte Karte über­tra­gen und zu einem kol­lek­ti­ven Bild über­la­gert.

Inter­view: Schüler_​innenzentierte Umfor­mu­lie­rung der Inter­view-Fra­gen von Lynch. Hin­ter­fra­gung des Stadt­bil­des der Jugend­li­chen in Bezug auf die Schul­um­ge­bung und das soge­nannte Stadt­zen­trum.

The­men­karte und Welt­karte: Schüler_​innen machen Erkun­dun­gen zu the­ma­ti­schen Schwer­punk­ten und erstel­len The­men­kar­ten. Die ein­zel­nen Ergeb­nisse wer­den in eine kol­lek­tive Karte über­tra­gen und zu einer „Welt­karte“ der Schul­um­ge­bung zusam­men­ge­fügt.

Wis­sens­trans­fer: Die Sicht­bar­ma­chung indi­vi­du­el­ler und kol­lek­ti­ver kogni­ti­ver Kar­ten und Stadt­bil­der im Rah­men von „Wis­sens­trans­fer­kon­fe­ren­zen“ und Aus­stel­lun­gen, sowie Inter­ak­tio­nen mit schulex­ter­nen Akteu­ren aus dem Gebiet ermög­licht Aus­tausch und Ver­hand­lung von Stadtbildern4 zwi­schen den Schüler_​innen und nach Außen.

Hypo­these: Fre­de­rik Jame­son sieht in kogni­ti­ven Kar­ten als Reprä­sen­ta­tion von Erfah­rung eman­zi­pa­to­ri­sche Werk­zeuge im Sinne von struk­tu­rel­len Gebil­den, die die Welt erklär­bar und damit hand­hab­bar machen kön­nen (Jame­son, 1986). Wenn kogni­tive Kar­ten (Stadt­bil­der) und räum­li­ches Han­deln der Jugend­li­chen in Kar­ten sicht­bar gemacht und wert­schät­zend dis­ku­tiert wird, ent­steht ein „Umgang mit dem Raum“ (de Cer­teau 1988, s.216) und somit Raum­kom­pe­tenz. Sub­jek­ti­ves Kar­to­gra­phie­ren als Bil­dungs­pro­zess.

Refe­ren­zen

  • Das Bild der Stadt, Kevin Lynch, 1965
  • Kogni­tive Kar­ten: die Welt in unse­ren Köp­fen, Roger M. Downs, David Stea, 1982
  • Stadt­bild, Wahr­neh­mung, Design: Kevin Lynch revi­si­ted, Jörg Sei­fert, 2011
  • Post­mo­derne. Zur Logik
  • der Kul­tur im Spät­ka­pi­ta­lis­mus, Fred­ric Jame­son, 1986

 

2.3. Hand­ge­zeich­nete Kar­ten und Ver­mitt­lung

Es wird im Rah­men von Unter­richt­sze­na­rien empi­risch unter­sucht, wie hand­ge­zeich­nete Kar­ten als Medien der Ver­mitt­lung die­nen kön­nen, um über Atmo­sphä­ren, Brü­che und räum­li­che Fik­tio­nen städ­ti­scher Räume zu spre­chen. Kar­ten mit „Unschär­fen und wei­ßen Fle­cken“ haben Poten­zial für räum­li­che Bil­dung für Jugend­li­chen, weil diese frag­men­ta­ri­schen Bil­der ihren frag­men­ta­ri­schen Raum­er­fah­run­gen ent­spre­chen und Raum für Aneig­nung bie­ten. Wie kön­nen die raum­kon­sti­tu­ie­ren­den Zusam­men­hänge von Han­deln im Raum und räum­li­cher Reprä­sen­ta­tion von Orten mit Hilfe von nar­ra­ti­ven Kar­ten für räum­li­che Bil­dung zugäng­lich gemacht wer­den?

Arbeits­me­tho­den
Ana­lyse von fiktiven/​narrativen Kar­ten­ele­men­ten der „Rei­se­be­richte“, Unschär­fen und weis­sen Fle­cken (nach Andrea Sick), Stadt­ex­pe­di­tion, Dérive, Gefühle Zeich­nen, kol­lek­ti­ves Kar­to­gra­fie­ren, Lin­gu­is­tic Land­ca­ping, Geschichte und Geschichte(n).

Ana­lyse des Mate­ri­als der Feld­stu­dien
Das Schü­le­rin­nen-Wis­sen zur Schul­um­ge­bung aus den „The­men­kar­ten“ und „Welt­kar­ten“ wird im Rah­men von Ver­mitt­lungs­pro­jek­ten gesam­melt und dann von der Autorin in ver­schie­dene Reprä­sen­ta­ti­ons­for­men über­tra­gen. Einer­seits fin­det die Über­tra­gung in nor­mierte GIS-Kar­ten statt, um Ver­gleich­bar­keit her­zu­stel­len und quan­ti­ta­tive Aus­wer­tungs­ebe­nen zu tes­ten. Ande­rer­seits wird mit hand­ge­zeich­ne­ten Kar­ten expe­ri­men­tiert um Zwi­schen­töne, Red­un­dan­zen und Aus­las­sun­gen der Ori­gi­nale bes­ser zu über­tra­gen. Diese „Metakar­ten“ sol­len die kol­lek­tive Ebene der kogni­ti­ven Kar­ten zusam­men­fü­gen und Wider­sprü­che und Brü­che der stadt­räum­li­che Nar­ra­tive der Schüler_​innen sicht­bar machen.

Refe­ren­zen

  • Spu­ren­su­che als alter­na­tive Daten­samm­lung und Kri­ti­sche Kar­ten als eman­zi­pa­to­ri­sches Pro­jekt. Metho­den des kol­lek­ti­ven Kar­tie­rens und par­ti­zi­pa­tive Ele­mente der Kar­to­gra­fie unter­su­chen. Suche nach Metho­den der Reprä­sen­ta­tion inho­mo­ge­ner Raum­bil­der.
  • Das Prin­zip Atlas als Samm­lung von Berich­ten im Sinne einer „Dich­ten Beschrei­bung“.
  • Spu­ren und Spu­ren­le­ser: zur Theo­rie und Ästhe­tik des Spu­ren­le­sens in der Vege­ta­tion und anderswo, Ger­hard Hard, 1995
  • Kar­ten­mus­ter. Bil­der und Wis­sen­schaft in der Kar­to­gra­fie, Andrea Sick, 2003
  • An Atlas of Radi­cal Car­to­gra­phy. Bha­gat, Alexis; Mogel Lize (Hg); Pag­len Tre­vor (Ill), 2008.

 

2.4. For­schungs­lü­cken

Der Ein­fluß der Schul­um­ge­bung im Sinne von „Bil­dungs­land­schaft“ als Schnitt­stelle zwi­schen Stadt­ent­wick­lungs- und Bil­dungs­po­li­tik wurde im deutsch­spra­chi­gen Raum bereits dis­ku­tiert. Was fehlt, ist eine Ana­lyse der Schul­um­ge­bung aus Per­spek­tive der Schüler_​innen mit gleich­zei­ti­gem Anstos­sen eines Bil­dungs­pro­zes­ses zu eben die­sem Raum.

Der inno­va­tive Aspekt die­ser Arbeit liegt in der künst­le­ri­schen Erschlie­ßung von künst­le­ri­schen Karten/​Mappings als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­werk­zeuge für räum­li­che Bil­dung im Schul- und Pla­nungs­kon­text, sowie in der inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­knüp­fung der For­schungs­fel­der Kri­ti­sche Kar­to­gra­fie, Visu­elle Geo­gra­phien, Archi­tek­tur­ver­mitt­lung.

3. Metho­dik

  • Empi­ri­sches Kar­ten-Mate­rial aus Ver­mitt­lungs­pro­jek­ten mit Schüler_​innen
  • Ver­mitt­lungs­me­tho­den für räum­li­che Bil­dung
  • Inter­views mit Schüler_​innen, Lehrer_​innen und loka­len Akteu­ren
  • Atlas: Ver­glei­chende Dar­stel­lung ver­schie­de­ner Schul­um­fel­der in Wien
    • Ana­ly­se­me­tho­den der Kar­ten und Sys­te­ma­tik, Metakar­ten digi­tal und ana­log
    • Ana­ly­se­mög­lich­keit nach „Five ele­ments of men­tal maps“ Lynch tes­ten
    • Defi­ni­tion: was ist die Schul­um­ge­bung? Abgren­zung: wie groß ist das Gebiet?
    • The­men­kar­ten, Detail­kar­ten
    • Unter­schiede Schul­ty­pen, Lage, Umfeld, Alter der Schüler_​innen
    • Über­la­ge­rung „Expert_​innenwissen und Laien wis­sen“

4. Auf­bau der Arbeit

  1. Kapi­tel For­schungs­an­lass
  2. Kapi­tel Theo­re­ti­sche Grund­la­gen
    1. Schul­um­ge­bung und räum­li­che Hand­lungs­mus­ter Jugend­li­cher
    2. Kogni­tive Kar­ten, Raum­wahr­neh­mung und Stadt­bil­der
    3. Kar­ten als Werk­zeuge der Kom­mu­ni­ka­tion für räum­li­che Bil­dung
      1. Exkurs: Kri­ti­sche und kol­lek­tive Kar­to­gra­fien
      2. Exkurs: Unschär­fen und Weisse Fle­cken auf Kar­ten
      3. Hand­ge­zeich­nete Kar­ten und Ver­mitt­lung
  3. Kapi­tel Metho­dik
    1. Kar­to­gra­fi­sche Ver­mitt­lung in der Schule
      1. Schul­we­ge­kar­ten: Auf­gabe, Umset­zung, Ver­gleich
      2. Spu­ren­su­che Stadt­ex­pe­di­tion: Wahrnehmen/​Notieren, Zeichnen/​Übersetzen, Kartieren/​Verhandeln, Austauschen/​Vermitteln
      3. The­men­kar­ten – posi­tive und nega­tive Orte:Treffpunkte, Atmo­sphä­ren, Geschichte(n), Emo­tio­nen, Mehr­spra­chig­keit, Frei­räume
    2. Inter­view und Stadt­raum-Skiz­zen. Dif­fe­ren­zen zu Kevin Lynch
    3. Kol­lek­ti­ves Kar­tie­ren und ergeb­nis­of­fe­nes Arbei­ten im Schul­kon­text
  4. Kapi­tel Fall­stu­dien und Ergeb­nisse
    1. Fall­stu­dien an vier Stand­or­ten in Wien:
      1. BRg­OrG 15 Hen­ri­et­ten­platz, 1150 Wien
      2. NMS Kau­er­gasse, 1150 Wien
      3. MMS Eiben­gasse, 1220 Wien
      4. GRg 22 Heu­sta­del­gasse, 1220 Wien
    2. Atlas unsicht­ba­rer Räume. Metakar­ten auf Basis der Schüler_​innenkarten
  5. Kapi­tel Zusam­men­fas­sung und Dis­kus­sion
    1. Zusam­men­fas­sung
    2. Dis­kus­sion
    3. Aus­blick

5. Zeit- und Arbeits­plan

5.1. Vor­ar­bei­ten

2014–2015 Fall­stu­die Hen­ri­et­ten­platz
2016 Bil­der der Stadt kar­tie­ren (Seminar+Ausstellungsbeitrag Wien Museum, Wien)
2017

Unschär­fen und weiße Fle­cken. Kar­to­gra­phi­sche Annä­he­rung an urbane Räume  (Aus­stel­lung kunst­haus muerz, Mürz­zu­schlag)

ICE publi­shing: Atlas of Invi­si­ble Spaces: map­ping in school envi­ron­ments (Arti­kel)

2017–2018 Fall­stu­die MMS Eiben­gasse Teil 1 (Semi­nar IKL)
2018 Semi­nar Map­pings: Fünf Schul­um­ge­bun­gen am West­gür­tel

 
 

5.2. Zeit­plan Dis­ser­ta­tion

Mai 2018 Exposé ein­rei­chen
Som­mer 2018 Kar­to­gra­phi­sche Ana­ly­sen
Herbst 2018 Fall­stu­die MMS Eiben­gasse Teil 2 (Semi­nar IKL)
Fall­stu­die Heu­stadl­gasse+ MMS Eiben­gasse (Pro­jekt Bil­dungs­grätzl)
Früh­jahr 2019 Lite­ra­tur­re­cher­che + Stand der For­schung
Som­mer 2019 Kar­to­gra­phi­sche Ana­ly­sen
Kapi­tel Kogni­tive Kar­ten
Herbst 2019 Fall­stu­die NMS Kau­er­gasse (Semi­nar IKL)
Expert_​inneninterviews zur Schul­um­ge­bung
Win­ter 2019 Kapi­tel Schul­um­ge­bung
Früh­jahr 2020 Kapi­tel Kar­ten als Werk­zeuge der Kom­mu­ni­ka­tion
Som­mer 2020 Kapi­tel Metho­dik
Herbst 2020 Fall­stu­die Heu­stadl­gasse Teil 2?
Win­ter 2020 Aus­wer­tun­gen
Atlas Sys­te­ma­tik + Atlas Kar­ten
Früh­jahr 2021 Atlas Kar­ten erstel­len
Som­mer 2021 Zusam­men­fas­sung
Herbst 2021 Abschluss

6. Lite­ra­tur

  • Bha­gat, Alexis; Mogel Lize (Hg); Pag­len Tre­vor (Ill): An Atlas of Radi­cal Car­to­gra­phy. Los Ange­les 2008.
  • Casey, Edward: Orts­be­schrei­bun­gen, Land­schafts­ma­le­rei und Kar­to­gra­phie. Fink Ver­lag, Mün­chen. 2006.
  • Cer­teau, Michel de: Kunst des Han­delns. Ber­lin 1988.
  • Coe­len, Tho­mas; Hein­rich, Anna Juliane; Mil­lion, Angela (Hg.): Stadt­bau­stein Bil­dung. Wies­ba­den 2015.
  • Daum, Egbert: Sub­jek­ti­ves Kar­to­gra­phie­ren. URL: http://​www​.sozi​al​raum​.de/​s​u​b​j​e​k​t​i​v​e​s​-​k​a​r​t​o​g​r​a​p​h​i​e​r​e​n.php [05.01.2014]
  • Hard, Ger­hard: Spu­ren und Spu­ren­le­ser: zur Theo­rie und Ästhe­tik des Spu­ren­le­sens in der Vege­ta­tion und anderswo. (Osna­brü­cker Stu­dien zur Geo­gra­phie, Bd. 16). Osna­brück 1995.
  • Hof­mann, Romy: Urba­nes Räu­men. Päd­ago­gi­sche Per­spek­ti­ven auf die Raum­an­eig­nung Jugend­li­cher. (Sozial- und Kul­tur­geo­gra­fie, Bd. 6). Bie­le­feld 2015.
  • Hof­man, Susanne: Atmo­sphäre als par­ti­zi­pa­tive Ent­wurfs­stra­te­gie. (Dis­ser­ta­tion TU Ber­lin). Ber­lin 2013. URL: http://​opus4​.kobv​.de/​o​p​u​s​4​-​t​u​b​e​r​l​i​n​/​f​r​o​n​t​d​o​o​r​/​i​n​d​e​x​/​i​n​d​e​x​/​d​o​c​I​d​/1049 [16.01.2014]
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